Android Lumia – Nokias Rettung?

In letzter Zeit ist Nokia ja relativ häufig in der Presse vertreten mit immer neuen Meldungen und zuletzt auch horrenden Verlusten. Auch die „führenden europäischen Mobilfunkanbieter“ haben sich eingemischt und gesagt, daß sich Nokia Smartphones mit Android als Betriebssystem deutlich besser verkaufen würden, als es mit Windows Phone der Fall ist.

Das mag richtig sein und man muss auch kein Hellseher sein um diese Spekulation anzustellen. Android hat einen Marktanteil von >30% und Windows Phone von ca. 2%. Da würde Nokia sicherlich ein gutes Stückchen vom Android-Kuchen abbekommen.

Aber wäre das die Lösung für Nokia?

Fassen wir mal kurz die Fakten zusammen.

In 2010 hatte Nokia ein operatives Ergebnis von ca. 0.439 Milliarden Euro. Dieses operative Ergebnis ist in 2011 auf -1.340 Milliarden Euro gesunken. Ein Unterschied von 1.779 Milliarden Euro also. Das ist ein ziemlicher Happen und ca. 1.8 Milliarden Euro in einem Jahr müssen erstmal erwirtschaftet werden um wieder da zu sein, wo man 2010 aufgehört hatte.

Das ist aber noch nicht alles. Der Gesamtdeal zwischen Microsoft und Nokia wird auf gut 2 Milliarden Euro geschätzt die Microsoft in Nokia „pumpt“. Davon sind in 2011 bereits 0.180 Milliarden Euro geflossen (für 1 Million verkaufte Nokia Lumia 800). Wären diese Zahlungen nicht geflossen hätte Nokia schon ca. 2.0 Milliarden Euro erwirtschaften müssen um auf dem alten Stand zu bleiben.

Aber auch das ist noch nicht alles. Um ein Android Phone anzubieten muss man Lizenzen für Patente haben, die Microsoft hält. Dafür werden Lizenzzahlungen in Höhe von ca. 10-15 Euro je Gerät fällig. Diese Zahl müsste man also für jedes Android-Gerät schonmal mindestens an Gewinn einfahren, um überhaupt auf 0 zu kommen, dazu später aber noch mehr.

Kommen wir nun zum Smartphone-Markt. In 2011 wurden weltweit ca. 420 Millionen Smartphones verkauft. Daran hatte Nokia (nur noch) einen Anteil von 24 %. Das sind fast ausschliesslich Symbian-Geräte und andere und ist also ein Anteil von ca. 100.8 Millionen Geräten. Die restliche Anzahl an Geräten die der Gesamtmarkt kauft liegt also bei ca. 319 Millionen Geräten.

Der Anteil von Android Geräten lag 2011 bei ca. 30% was ungefähr 126 Millionen Geräten entspricht. Dies ist eine ziemliche Menge, bedenkt man, daß sich Windows Phone in diesem Zeitraum nur ca. 8-10 Millionen mal verkauft hat.

Nehmen wir nun mal an, daß Nokia es aus dem Stand geschafft hätte einen 25% Anteil aller verkauften Android-Geräte des Jahres 2011 zu erreichen. Das wären ca. 31.5 Millionen Geräte gewesen. Nur als Anmerkung: Den größten Android Anteil hält derzeit Samsung mit unter 23%. Für diese 31.5 Millionen Geräte wären mal eben ca. 315 Millionen Euro an Lizenzzahlungen für Microsoft fällig gewesen. Um die Verluste aufzufangen hätte Nokia also mit diesen Android-Geräten 2.3 Milliarden Euro machen müssen. Das wären mehr als 70 Euro Gewinn für jedes einzelne Android-Gerät. Bei Gerätepreisen die im Durchschnitt sicherlich deutlich unter 300,00 Euro liegen dürften, wäre dies schon eine ziemlich große Marge. Händlermargen, Zölle, Steuern und weitere Lizenzzahlungen an andere Hersteller dürften dieses Ergebnis noch weiter erschweren, sind aber ohne Insiderkenntnisse sicherlich nur zu schätzen.

Aber auch das ist noch nicht alles an Einsparmöglichkeiten für Nokia. Kurz nach dem Microsoft Deal hat Nokia mitgeteilt, daß durch die Fokusierung auf Windows Phone als Betriebssystem ingesamt 4000 Mitarbeiter (davon 3000 Symbian Entwickler) abgebaut bzw. ausgelagert weden könnten. Dies würde nochmals bis 2013 1 Milliarde Euro einsparen. Ob dies auch mit Android möglich wäre wird man sicherlich auch nur mit Insiderkenntnissen abschätzen können, aber Fakt ist, daß die Mühe zur Anpassung, Pflege und Test von Android für die Hersteller aufwendiger ist, als mit Windows Phone. Die Einsparung würde hier also sicherlich eher geringer ausfallen.

Fazit

Auch wenn sich Nokia-Geräte mit Android besser verkaufen würden als Nokia-Geräte mit Windows Phone, so hätte Nokia selbst sicherlich am wenigsten davon. Die Mobilfunk-Anbieter würden vielleicht einen besseren Schnitt machen, wobei die Frage bleibt ob sich der Android-Markt durch Nokia vergrößern würde oder eher nur – was wahrscheinlicher wäre – umverteilt würde. Nokia würde sicherlich einigen der anderen Herstellern wie Samsung, HTC, LG und wie sie alle heißen etwas von ihren Marktanteilen abzwacken. Aber mehr Absatz würde sich daraus nicht zwangsweise erzielen lassen. Microsoft hätte auch was davon. Sie müssten kein Geld an Nokia abdrücken und bekämen im Gegenzug sogar noch Lizenzzahlungen für Android. Der große Verlierer ist und bleibt aber Nokia, die unterm Strich weiterhin riesige Schwierigkeiten hätten ihr Geschäftsergebnis zu halten. Android wäre also sicherlich keine Rettung, zumindest nicht für Nokia.

Eine andere Alternative wäre Symbian/Meego oder was auch immer Nokia noch „versucht“ hat. Aber auch hier sieht es mau aus. 1 Milliarde für 4000 Mitarbeiter in 2 Jahren, ein nicht fertiges und etabliertes oder nicht mehr konkurrenzfähiges (Symbian) Betriebssystem, keinen eigenen Marketplace und keinen starken Partner wie Microsoft und dazu die fehlenden Zahlungen von Microsoft. Mit einem solchen Experiment müsste Nokia „aus dem Stand“ 3 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaften um sein Ergebnis halten zu können und die Kosten zu decken. Wenn sie das in den letzten Jahren schon nicht geschafft haben, warum dann jetzt auf einmal? Die Marktanteile von Nokia sinken nicht erst, seit der Microsoft-Deal abgeschlossen wurde, sondern auch schon die Jahre davor war diese Entwicklung absehbar.

Mit Windows Phone sieht momentan auch nicht alles nach grüner Gewinnzone aus und es scheint so, als wäre das ein ziemliches Risiko. Das ist es auch, daß dürfte jedem klar sein und erst Recht Nokia selbst. Es geht für Nokia aber um das nackte Überleben und die Chancen mit WP7 sind dabei vielleicht noch am größten. Sollte Nokia es 2012 schaffen 10 Millionen Windows Phones umzusetzen, was durchaus schaffbar sein sollte, dann bekommen sie von Microsoft die Restzahlung von 1.8 Milliarden Euro und sparen auch noch mal 100 Millionen an Lizenzgebühren für einen entsprechenden Android-Absatz ein. Wenn sie noch dazu nur ca. 15 Euro an Gewinn je Phone machen, dann hätten sie gut 2 Milliarden Euro mit WP7 verdient und wären damit wieder in der Gewinnzone, zumindest für 2012. Und 2013 könnte vielleicht WP8 und die Windows 8 Tablets ein weiteres Jahr Rettung für Nokia bedeuten.

Die Chancen sind da, auch wenn es für Nokia die nächsten Jahre sehr kritisch werden wird. Vielleicht ist Microsoft die Rettung… 10 Millionen Windows Phone Geräte im zweiten Jahr absetzen klingt für mich jedenfalls deutlich realistischer als von 0 auf 31.5 Millionen Android-Geräte mit gigantischen Gewinnmargen bei der Konkurrenz die es dort gibt.

Eine Anmerkung noch zum Schluß: Die Zahlen erheben keinen Anspruch auf vollständige Richtigkeit. Aber auch einige 10 Millionen Geräte mehr oder weniger würden die Situation nicht unbedingt deutlich verändern. Nokia müsste verdammt viele Android-Phones verkaufen um Gewinne einzufahren und zwar deutlich mehr Geräte alles die anderen Android-Hersteller…

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Veröffentlicht am 30.04.2012 in Random Noise und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 13 Kommentare.

  1. Da eigentlich so gut wie alle die WP7 mal ausprobiert haben zufrieden sind (viele Leute aus meinem Freundeskreis hatten ein iPhone 4 und nun ein Lumia 800) glaube ich dass das OS durchaus zu gefallen vermag, bloss kennt es immer noch fast niemand („was ist android, ich habe ein HTC!“).

    Falls Nokia auch Android Phones anbieten währe das nur einfach ein weiterer Anbieter, nichts spezielles. Ein Lumia 800 würde sich nicht wirklich von anderen Android Geräten unterscheiden, d.h es würden sich sicher viele Geräte verkaufen, aber ein Kassenschlager würde es nicht.

    Wenn WP7 (8) allerdings bekannter ist wird Nokia mit dem eingeschlagenen Weg sicherlich die Nummer eins sein und als DER Windows Phone Hersteller gelten.

    Momentan mag es nicht rosig aussehen, aber auf längere Sicht (1-2 Jahre) ist es für Nokia sicherlich besser auf Windows Phone zu setzten und da fast ein Monopol zu haben, denn das OS hat eindeutig Potential, und mit Microsoft auch jemand im Hintergrund um das System finanziell und technisch zu pushen.

    WebOS währe ja z.B auch ganz gut gewesen, nur hat dort wohl der Wille wie auch das Geld gefehlt, glaube nicht dass das bei WP passiert…

    • Laut den Herstellern ist die Rücksendequote von WP-Geräten die Beste von allen Gerätetypen. Das bedeutet also scheinbar auch, daß die Käufer damit zufrieden sind.

      Ich habe bewusst darauf verzichtet einen oft emotional beeinflussten Vergleich zwischen unterschiedlichen Betriebssystemen zu schreiben und wollte mal eine andere Sichtweise beschreiben. Ein zwei, drei oder gar vier Jahre dauernder Versuch mit einem anderen System Fuß im Markt zu fassen könnte für Nokia katastrophal enden. Mit Windows Phone bekommen sie Milliarden von Microsoft, sparen Lizenzgebühren, sind der Top-Anbieter, haben den größten Einfluß auf die Entwicklung von WP und einiges mehr. Dazu kommen Partnerschaften bei den Maps (wodurch Nokia nochmals Geld einsparen kann, aber auch Zugriff auf Techniken wie Bing Streetside erlangt) und diverse andere Vorteile einer Partnerschaft.

      Was bei der ganzen Geschichte noch dazu kommt ist Windows 8. Nokia will Tablets und Smartphones damit anbieten. Windows 7 hat sich in den ersten 365 Tagen 240 Millionen mal verkauft und hat mittlerweile einen Marktanteil unter den Betriebssystemen von fast 50%. Wenn Microsoft mit zwei zusätzlichen Gerätetypen nur 20% dieser Einheiten absetzen könnte und davon 50% auf Tablets und Smartphones fallen würden, dann wären dies ca. 24 Millionen W8 Mobilgeräte im ersten Jahr. Nokia hätte da sicherlich einen nicht unerheblichen Anteil dran. Wenn man jetzt ein wenig träumt und einen ähnlichen Erfolg wie W7 annimmt, dann wäre Nokia sicherlich mehr als fein raus und könnte sich damit an die Spitze katapultieren. Sicherlich ist dies unrealistisch, aber die Chance ist auch hier höher, als sich mit einem anderen System von 0 auf 1 zu schleudern…

  2. Ähm, was ist das für eine seltsame Berechnung von Gewinnen und Verlusten? Selbst wenn ich mal bei der kruden ‚Rechengrundlage‘ bleibe, dann hätte Nokia in 2013 ein kleines Finanzproblem. Denn mit 10 Millionen WP Geräten müssten plötzlich zusätzlich auch die (vermuteten) 1,8 Milliarden erwirtschaftet werden, welche 2012 noch von Microsoft gezahlt wurden- also satte 180 Euro zusätzlich pro Gerät. Und Lizenzkosten spart Nokia bei Windows Phone auch nicht, denn für jedes WP-Gerät fallen Lizenzkosten an.

    Und zu „Die Marktanteile von Nokia sinken nicht erst, seit der Microsoft-Deal abgeschlossen wurde.“- Das stimmt zwar, aber seit dem Microsoft-Deal sinken auch die absoluten Verkaufszahlen (von Q1/2011 zu Q1/2012 haben sie sich halbiert!)- zuvor waren sie noch gestiegen. Und bevor der Microsoft-Deal abgeschlossen wurde, schrieb die Smartphonesparte von Nokia noch schwarze Zahlen, schon im Quartal danach (Q2/2011) war sie in den roten Zahlen.
    Im Quartal 4/2010 hatte Nokia die höchsten Smartphone Verkaufszahlen erreicht: 28,3 Millionen Stück, im Quartal 1/2011 (in dem der Microsoft Deal abgeschlossen wurde) 24,2 Millionen Stück. Jeweils ein Jahr drauf waren es 19,6 Millionen (Q4/2011) und 11,9 Millionen (Q1/2012). Selbst RIM/Blackberry hat es geschafft die Stückzahlen zu halten.
    Nokia muss mindestens 10 Millionen WP-Geräte pro Quartal verkaufen. Wenn das bis Ende 2012 nicht mindestens (besser 15-20 Millionen im Quartal) erreicht ist, kann ziemlich schnell Schicht im Schacht sein…

    • Ich habe auch nicht geschrieben, daß Nokia 2013 KEIN Problem hat. Ich habe geschrieben, daß sie 2011 und 2012 mit dem Microsoft-Deal KEIN Problem haben, da sie sehr hohe Zahlungen von Microsoft bekommen. Eigentlich habe ich noch nichtmal geschrieben, daß Nokia kein Problem hat, sondern lediglich, daß sie so besser bedient sind als mit Android. Mit Android würden sie diese Zahlungen NICHT bekommen und müssten zudem noch Lizenzgebühren an Microsoft zahlen. Das macht einen Milliardenunterschied aus.

      Es ist anzunehmen, daß die Marktanteile auch dann gesunken wären, wenn Nokia auf Android oder was auch immer gesetzt hätte, oder einfach so weitergemacht hätte wie bisher. Fakt ist doch, daß Symbian „Probleme“ hat, weiterhin am Markt zu bestehen, zumindest im Smartphone-Sektor. Hast du dir die letzte Zeit mal ein Symbian-Smartphone angeschaut? Wenn ja, dann weist du auch warum. Diese Marktanteile verliert Nokia aber an alle anderen Smartphone-Hersteller. Mit Android oder irgendwas anderem wären die Zahlen vielleicht nicht so dramatisch gefallen, aber ob das verdiente Geld damit gereicht hätte?

      Selbstverständlich stützt Microsoft die WP7-Entscheidung von Nokia mit vielen Milliarden und das ist das, was den finanziellen Unterschied für Nokia ausmacht. Selbstverständlich müssen sie locker mal 10 Millionen WP-Geräte im Quartal absetzen, wenn die MS-Milliarden ausbleiben. Aber wann dies ist, ist uns unbekannt. Ob Microsoft 2013 noch Geld bezahlt? Oder ob Nokia 2013 mit dann vermutlich WP8 (und Tablets) in der Lage sein wird >= 10 Millionen Smartphones/Tablets mit diesem System abzusetzen? Das bleibt abzuwarten. Es ist eine Verzögerung. So haben sie 1-2 Jahre und vielleicht mehr gewonnen. Mit Android hätten sie diesen Puffer nicht gehabt. Das hat aber nichts mit der Qualität eines der Smartphone-Betriebssysteme zu tun…

      P.S: Ich glaube übrigens nicht, daß Nokia momentan Lizenzgebühren für WP7 an Microsoft zahlt, da sie einen Technologieaustausch-Deal haben. Microsoft bekommt Zugriff auf Nokia-Technologien und -Patente und dafür bekommen sie WP7 (kostenlos).

      • „P.S: Ich glaube übrigens nicht, daß Nokia momentan Lizenzgebühren für WP7 an Microsoft zahlt, da sie einen Technologieaustausch-Deal haben. Microsoft bekommt Zugriff auf Nokia-Technologien und -Patente und dafür bekommen sie WP7 (kostenlos).“
        Dein Glaube ist falsch:
        „Our agreement with Microsoft includes platform support payments from Microsoft to us as well as software royalty payments from us to Microsoft. In the first quarter 2012, we received a quarterly platform support payment of USD 250 million (approximately EUR 189 million). We have a competitive software royalty structure, which includes minimum software royalty commitments. Over the life of the agreement, both the platform support payments and the minimum software royalty commitments are expected to measure in the billions of US Dollars. The total amount of the platform support payments is expected to slightly exceed the total amount of the minimum software royalty commitments.“ aus dem Interim Report Q1/2012 von Nokia
        Mithin bekommt Nokia praktisch einen Kredit, der später durch die Lizenzkosten (royalty payments) wieder zurückgezahlt wird.

        Hast du dir in letzter Zeit mal ein neues Symbianhandy angeschaut? Symbian Belle hat ein komplett erneuertes UI und läuft prima (seit Q3/2011 im übrigen). Kann/hat zudem schon heute (und zuvor) NFC, HDMI-out, USB-OTG, (micro)SD-Karten, Dual-Core Support (die entsprechenden Geräte wurden von Nokia mit Rücksicht auf die Limitationen von Windows Phone 7 gestrichen) und HD-Displayauflösungen. Die Microsoft Office Apps sind nun auch endlich (3 Jahre nach Vertragsschluß/Ankündigung) auf Symbian Belle verfügbar. Ein Problem hat Symbian vorallem, da es mit dem Microsoft-Deal abgekündigt wurde. Der App-Support ist augenblicklich weggebrochen und die Verkäufe sind sofort im Q2 eingebrochen. Zudem wurden ab Q3/2011 -in Rücksicht auf die kommenden WP-Modelle- neue Symbianmodelle weitestgehend gestrichen. Mit Symbian und Meego hätte Nokia weitermachen können- oder ganz klar Windows Phone 8 fürs Highend ankündigen und Symbian ins Lowend (aber ohne Abkündigung) pushen können.

        Und Nokia hat mit Windows Phone weitere Probleme: Es gibt keinen Übergang mehr von den Featurephones mit Series 40/Nokia OS zu Windows Phone. Die Bedienung und Optik von Series 40 (Nokia OS) und Symbian ist zumindest ähnlich und die Java Apps von Series 40 laufen auch auf Symbian.
        Mit Windows Phone 7 kann Nokia kein Highendgerät (Dual-Core, HD-Display) herausbringen, das wird erst mit WP 8 möglich sein.
        Und mit Windows Phone erreicht Nokia nicht alle Preisbereiche- insbesondere das von Symbian auch stark abgedeckte Low-end nicht. Das günstigste Symbian Belle Modell das Nokia 500 hat eine UVP von 150€ (seit Q3/2011 auf dem Markt), das günstigste WP-Modell das Lumia 610 von 189€ (jeweils ohne Steuern).Und ‚unter‘ dem 500 verkauft auch noch Symbian Modelle.
        Der wesentliche Erfolg von Nokia mit Windows Phone wird sich auf Nordamerika beschränken, weil man dort quasi nicht präsent war zuvor.

        Mit dem Microsoft-Deal hat Nokia ein Jahr lang netto Stammkunden an andere Hersteller/Systeme verloren -in einem eigentlich sehr stark wachsendem Markt. Zudem Vertrauen bei den Entwicklern verspielt. Umsatz und Gewinn verloren. Zwischen Feature-/Dumbphonesparte und Smartphonesparte eine sinnlose unüberbrückbare Abgrenzung gezogen. Das alles für einen günstigen ‚Kredit‘ von Microsoft, Kooperation bei Location/Maps und einen relativ günstigen Patentvertrag (der Patentvertrag mit Apple im Q2/2011 brachte/bringt im übrigen mehr Geld)?

        Mit Symbian und Meego hätte Nokia eine Übergangsstragie gehabt (ggf. Androidapps -wie RIM bei BB10- in Meego integrieren können).
        Mit Android hätte Nokia direkt und sofort das komplette Preis- und Produktspektrum abdecken, zudem mit Qt auf Android einen Migrationspfad von Symbian zu Android öffnen und sich von den anderen Herstellern abgrenzen können.

        Mit dem Microsoft-Deal und Windows Phone in der gefahrenen Strategie, hat sich Nokia nur technische Beschränkungen durch Windows Phone 7 auferlegt und noch mehr Zeit verloren- für ein wenig Taschengeld.
        Und am Ende nur der Verweis, daß mit Windows (Phone) 8 alles besser wird… wirkönnte oder sollte oder wird…

      • Rechte Tasche, linke Tasche ist das… Unterm Strich kommt das für beide auf Null raus, was faktisch bedeutet, daß keine Lizenzgebühren fällig werden, aber das ist auch nicht so wichtig, da diese überall fällig würden.

        Ich glaube, daß alle anderen Systeme mit Ausnahme von iOS und Android momentan die gleichen Probleme haben. Das schliesst WP7 selbstverständlich mit ein. Microsoft hat den anderen aber etwas voraus und das ist die Entwicklergemeinde und das ist ein Windows, daß kannibalisiert werden kann. Microsoft hat bereits eindrucksvoll bewiesen, daß in kürzester Zeit ein App-Store ziemlich wachsen kann, sowohl was Entwickler angeht, als auch App-Zahlen. Die anderen Hersteller von Betriebssystemen haben das nicht geschafft, somit hat WP7 zumindest einen kleinen Vorteil.

        Fakt ist jedenfalls das Nokia eine Strategie eingeschlagen hat. Ob eine andere besser wäre, steht in den Sternen. Ich glaube jedenfalls nicht, daß es so wäre. Ein weiteres OS zu etablieren ist eine Aufgabe, die Nokia alleine nicht stemmen kann. Symbian alleine reicht nicht, auch wenn Belle nicht schlecht ist, aber trotzdem weder ein iOS noch ein Android-Killer. Andere Produkte stehen auch nicht besser da als WP7, warum also nicht mit Microsoft kooperieren?

        Übrigens wird Nokia die 10 Millionen Geräte vermutlich bereits dieses Quartal fast schaffen mit WP7 😉

  3. Laut aussagen eines angeblichen, oder möchtegern Experten, ist das Lumia 800 schrott. Mir wurde vom kauf eines Lumia abgeraten. Auf meiner Arbeitsstätte sagt einer das WP7 im Internet langsamer sei als Android, ich weiß nicht, hat das nicht eher was mit dem Provider zu tun? kurzum ich denke 80% der verkauften Handys wurden gekauft weil sie schön aussehen, 10% weil Apple draufsteht(davon 99,99% weil Steve Jobs verstorben ist), 9% kuckt nur nach dem preis, und der Rest diejenigen die Ahnung haben.

    • Die Begründung, warum das Lumia 800 Schrott sein sollte, würde mich mal interessieren. Für mich hört sich das sehr nach einer undifferenzierten Meinung an, die nicht wirklich Substanz hat.

      Auch die Aussage, daß WP7 im Internet langsamer sein soll als Android zeugt nicht unbedingt von Sachverstand. Man könnte jetzt wunderschön mit der „Smoked by Windows Phone“ Kampagne von Microsoft „kontern“. Dabei ist rausgekommen, daß mehr als 98% der „Nicht-WP7“-Geräte in „alltäglichen Aufgaben“ langsamer sind als WP7-Geräte. Da ist aber eine Marketing-Kampagne ist (die sich aus einem „Gag“ entwickelt hat) kann man dies sicherlich nicht als belastbaren Test ansehen.

      WP7-Geräte haben „veraltete“ Hardware (Anzahl der CPU-Kerne, Prozessorgeneration, GPU-Generation, RAM-Ausstattung), wenn man dies mit den Top Android-Geräten vergleicht. Die Frage ist aber: Braucht WP7 solch „moderne“ Hardware (die beispielsweise Kosten verursacht)? In vielen Fällen lautet die Antwort: Nein, WP7 kommt mit der Hardware wunderbar aus. Dies gilt insbesondere für Samsung’s Titan und die Lumia-Geräte, welche durch neuere CPU und höheren Takt ca. 50% schneller laufen und durch neue GPU ungefähr die doppelte Grafikleistung haben. Durch konsequentes Design des OS läuft alles immer flüssig, auch ohne nen Vierkern-Prozessor mit 1.5GHz Taktfrequenz haben zu müssen. In den Augen von Leuten, die sich einfach auf diese technischen Daten verlassen, ist das WP7 natürlich „alter Schrott“. Für das WP7 ist es aber vollkommen ausreichende Hardware und warum sollte man ständig etwas neueres verbauen, nur weil es neu ist? Auf Android hat es dazu geführt, daß es heute ungefähr 6000 Geräte/OS Kombinationen gibt. Das mag zwar auf den ersten Blick schön für den Kunden sein, ist doch das System so offen, daß man solche „Spielereien“ machen kann, auf den zweiten Blick ist dies aber ein ziemliches KO-Kriterium: Es ist für die meisten Firmen einfach unrealistisch ihre Apps und Programme auch nur auf einem Bruchteil dieser Kombinationen zu testen und das führt zu einem allseits bekannten Problem: Nicht jede App läuft auf jedem Gerät gleichermaßen gut und in meinen Augen ist genau das Schrott.

      Naja, man kann solche Diskussionen endlos weiterführen, bringen wird das aber nichts. Auch wenn Android oder iOS das bessere System wäre würde das an der Nokia-Situation nichts ändern. Schaut man sich die Android-Verteilung unter den Herstellern mal an und schaut man auf die Marktanteile und Gewinne dieser Hersteller, dann gibt es nur einen einzigen der damit wirklich was „verdient“: Samsung. Wohlgemerkt gibt es eine ganze Reihe von Android-Anbietern. Nokia würde sich schlicht und einfach in diese Reihe stellen ohne eine Garantie, daß sich irgendwas ändert.

      Auf der anderen Seite kommen in letzter Zeit immer wieder neue Zahlen für WP7 raus in denen Marktanteile genannt werden. In China beispielsweise hat WP7 mittlerweile den Marktanteil von Apple hinter sich gelassen. In einigen europäischen Ländern nähert sich WP7 langsam aber sicher dem zweistelligen Bereich und auch in den USA hat Nokia mit dem WP7 mittlerweile mehr erreicht als mit den „alten“ Symbians. Mühsam geht es vorwärts, aber eins zeigt der Trend: Die Richtung zeigt nach oben. Nicht so steil wie bei Android, aber nach oben.

      • „auch in den USA hat Nokia mit dem WP7 mittlerweile mehr erreicht als mit den “alten” Symbians.“
        Was auch keine große Kunst ist, da Nokia die gerade geschlossenen Carrierverträge über Symbianhandys 2011 gekündigt hat- einzig das C7 Astound wurde noch im Q2/2011 bei T-Mobile USA (ab)verkauft (das Astound ist im übrigen als einziges Symbian^3 Modell komplett von den Belle Updates ausgeschlossen…). Und offensichtlich hat Nokia für die Vertragskündigungen auch Strafzahlungen bzw. starke Preisabschläge akzeptieren müssen (verbucht in Q2/2011- dort ASP 60€ statt zuvor und danach um 100€).
        Geräte (Smartphones und Featurephones) und Umsätze in Nordamerika (USA+Kanada)
        Q2/2010: 2,6 Mio Geräte – 223 Mio € Umsatz
        Q4/2010: 2,6 Mio Geräte – 233 Mio € Umsatz
        Q1/2011: 1,2 Mio Geräte – 140 Mio € Umsatz
        Q2/2011: 1,5 Mio Geräte – 88 Mio € Umsatz
        Q3/2011: 0,7 Mio Geräte – 73 Mio € Umsatz
        Q4/2011: 0,5 Mio Geräte – 53 Mio € Umsatz
        Q1/2012: 0,6 Mio Geräte – 93 Mio € Umsatz

        Selbst Q1/2012 war mit den ersten Lumias in USA nicht berauschend (immerhin ist der ASP auf 150€ gestiegen) und liegt unter dem Vorjahresquartal. Das Q2/2012 wird mit Sicherheit besser, aber ob die Gesamtstückzahlen von Q2 oder Q4 2010 (in letzterem war die Einführung der ersten Symbian^3 Modelle- insbesondere des N8) erreicht werden? Alles andere wäre ein schlechtes Ergebnis angesichts des massiven Werbeetats für die Lumias in den USA und der Carrierverträge mit AT&T und T-Mobile…

      • Nokia selbst hat mitgeteilt, daß das Windows Phone das bisher erfolgreichste Nokia-Gerät auf dem US-Markt ist/war.

        Und ja, daß Lumia hat sich in Q1/2012 nicht so gut verkauft wie insgesamt alle Nokia-Geräte in Q1/2011. Das ist aber auch kein Wunder, wurde das Lumia 800 ja auch erst Ende Februar in den USA angeboten. Trotzdem wurden eine gute Million Geräte verkauft. Damit hat sich das Lumia in 4 Wochen fast so gut verkauft wie ein Jahr zuvor alle Nokia-Geräte in den Staaten.

        Weiterhin hat AT&T mitgeteilt, daß sich das Lumia 900 bisher als zweiterfolgreichstes Gerät in Q2/2012 verkauft hat. Schätzungen zufolge wird sich das Lumia in 2012 in den USA ca. 8-12 Millionen mal verkaufen und das ist ungefähr soviel wie alle anderen Nokia-Geräte am US-Markt seit 2010 zusammen.

        Ob das jetzt super ist… Keine Ahnung… Es ist aber auf jeden Fall ein Fortschritt für Nokia im US-Markt. Scheinbar wurden die nicht Lumia-Geräte dort nicht so gut angenommen wie es jetzt die Lumia-Geräte werden.

      • „Das ist aber auch kein Wunder, wurde das Lumia 800 ja auch erst Ende Februar in den USA angeboten. Trotzdem wurden eine gute Million Geräte verkauft. Damit hat sich das Lumia in 4 Wochen fast so gut verkauft wie ein Jahr zuvor alle Nokia-Geräte in den Staaten.“- Das ist so schlicht falsch. Das Lumia 710 ging bei T-Mobile USA bereits am 10. Januar in den Verkauf (online und in den Shops). Zudem können im Q1 keine 1 Million Lumias in den USA verkauft worden sein- schließlich waren es insgesamt in Nordamerika nur 0,6 Millionen Nokia-Geräte. Zudem dürfte vermutlich nur ein Anteil von 1/2 bis 2/3 der 0,6 Mio Geräte Lumias gewesen sein, wenn man von einem ASP von 180-200€ für den verkauften Mix aus 710 und 800 Lumias ausgeht. Denn der ASP war in den Quartalen zuvor konstant bei etwa 100€ im Q1/2012 dann rund 150€. In Europa gab es nach Nokia fürs Lumia 710 und 800 zusammen einen ASP von 220€, bei einem höheren Anteil der 800 Lumias (früherer Marktstart in Europa, späterer in USA fürs 800).
        Das sind also vermutlich 300-400 Tsd Lumias in den USA im Q1/2012. Um 300 Tsd gingen im übrigen auch die Gesamtstückzahlen im Q2/2011 hoch in Nordamerika, als das C7 Astound bei T-Mobile Verkaufsstart hatte…

        „Weiterhin hat AT&T mitgeteilt, daß sich das Lumia 900 bisher als zweiterfolgreichstes Gerät in Q2/2012 verkauft hat. Schätzungen zufolge wird sich das Lumia in 2012 in den USA ca. 8-12 Millionen mal verkaufen und das ist ungefähr soviel wie alle anderen Nokia-Geräte am US-Markt seit 2010 zusammen.“- Wie oben schon geschrieben wurden in 2010 noch gut 2 Millionen Nokias insgesamt pro Quartal verkauft. In 2011 wurde nach dem Microsoftdeal offiziell der Verkauf von Symbiangeräten in den USA gestoppt und auch die neu geschlossene Carrierverträge (die ersten seit Jahren übrigens) mit T-Mobile und AT&T gekündigt.

        „Weiterhin hat AT&T mitgeteilt, daß sich das Lumia 900 bisher als zweiterfolgreichstes Gerät in Q2/2012 verkauft hat.“- Was auch wenig verwundert, da es ’specially featured‘ und eines der ersten LTE-Handys ist. Und der Preis für 0$ mit Vertrag zum Einstieg auch nicht schlecht war. Beim viel zitierten amazon Bestseller Ranking ist das Lumia 900 black aktuell aber nur noch auf Platz 5 (cyan Platz 24, white Platz 28). Insofern verkauft es sich sicher ganz gut, aber ob der massiven Marketingmaßnahmen (z.B. „Smartphone Beta Test“ TV Spots im Primetimedauerfeuer) darf man das auch erwarten.
        Ende Juli kommen dann die Q2/2012 Zahlen, da wird dann zu sehen sein, was wirklich verkauft worden ist…

      • An der Grundaussage des Artikels ändert das alles nichts. Auch wenn Nokia Android eingesetzt hätte, würde es nicht wesentlich besser aussehen für Nokia. Auch mit Android hätten sie sich nicht auf Platz 1 „geschwungen“.

  1. Pingback: Microsoft MVP on Nokia-Microsoft relationship » TamsAndroid - the Android blog

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